aus 8. vErlust und Empörung

In einer Nacht konnte sie nicht einschlafen vor Furcht und Sorge. Sie erinnerte sich an die Tage mit Gott auf der Insel. „Es ist immer dasselbe“, stöhnte sie „wenn man dich braucht, bist du nicht da.“ Sie war empört. Es war so schön mit Gott gewesen und sie hatte sich so an ihn gewöhnt. Aber er war nicht da, und sie brauchte ihn in diesem Moment. Sie verstand ihn nicht. So ging das bis zu diesem einen Morgen, von dem sie immer gerne erzählen wird:

Als sie wach wurde, schien die Sonne durch das Fenster. Es stand weit offen und die Frühjahrskälte zog mit aller Frische in ihr Zimmer ein. Sie mochte das. Sie hörte Tauben gurren und Vögel zwitschern. Irgendwo brüllten ein paar Kühe. Die Sonne schien ins Zimmer. Es würde ein herrlicher Tag werden. „Guten Morgen, Liebling“, begrüßte Gott sie. Er saß aufgerichtet auf ihrer Bettkante.



erscheint am 20.08.2020
Verlag edition worte&werke, Sittensen
broschiert 110 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN 978-3-9819283-4-1